Regentropfenträume


Liebe © Sandra Grüning
Liebe © Sandra Grüning

Ich liebe das Geräusch des Regens, der an mein Fenster klopft. Im tickenden Takt Sepiaträume aus dem Vergessen ins Leben zurück trommelt…

Ihrer beide Hände zittern von den vielen Jahren, die sie einander getragen haben. Die Haare von der Zeit entfärbt. Sie lächeln, freuen sich des Lebens. Vögel fütternd zeigen sie unseren längst ausgeträumten Traum. In manchen Momenten schleicht er sich noch immer in mein Bewusstsein. Zum Greifen nah.

Unser Traum. Schon lange ist er her. Jahre. Eine kleine Ewigkeit. Wie ein surreales Gebilde aus einer längst vergangenen Zukunft.

Es gibt Dinge, deren Vergehen wir ein Leben lang bedauern. Obwohl wir wissen, dass ein Drüberhinwegleben eine Lebenslüge gewesen wäre.

Und so stehe ich nun so manches Mal hier, verlorengegangen, im novembernasskalten Strandsand, kann kaum einhundert Meter weit schauen. Dicker Nebel schleicht um mich herum, hüllt Ostseeweite in blindes Schweigen. Ich laufe, um der Kälte keine Chance zu geben, in mich zu kriechen.

Laufe. Immer weiter. Laufe. Weil mich etwas in meinem Herzen antreibt.

Vielleicht die Unzufriedenheit mit dem, was ist. Oder die Sehnsucht nach dem, was nicht ist. Die unerfüllten Visionen. Die Traurigkeit. Der Schmerz. Die Einsamkeit. Oder vielleicht auch die Feigheit vor dem inneren Spiegel, der eiskalt das eigene Unvermögen, das eigene Versagen vor Augen hält.

Darum schließe ich wenigstens für eine kleine Weile meine Seelentüren, lasse die Welt draußen und höre zu, wie der Regen unaufhörlich an mein Fenster trommelt…


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