Firenze il 9 agosto 2017


Im Augenblick verweilen © Sandra Grüning

Die Sonne ist gerade mit mir aufgestanden. Einsam und still liegt der Pool im fahlen Licht. Selbst die Zikaden schlafen noch. Die Zeit anhalten, um im Augenblick zu verweilen. Ruhe atmen. Die Bilder dieser Tage beginnen sich zu ordnen. Glücklich, mich meinen Ängsten gestellt zu haben, füllt sich meine Seele mit wunderschönen Erinnerungen und Zufriedenheit.

Bereit, den nächsten Abenteuern zu begegnen, schlüpfe ich in die Laufschuhe. Denn mein bester Freund wartet am Tor darauf, mich in die toskanischen Hügel zu entführen. Es wird anstrengend. 400 Höhenmeter auf zwei Kilometern. Das geht an meine Grenze. Meine Zunge schleift schon seit einer Weile hinter mir her und ich sehne mich nach meiner platten Heimatinsel und der erregend anregenden Animation eines anderen Herzensmenschen.

Die Hoffnung nach jeder Biegung das Ende der Steigung erreicht zu haben, stirbt zuletzt. Doch irgendwann, kurz vor dem Hitzschlag, legt sich die Toskana mit all ihrer Schönheit in meinen Blick. Atemberaubend, obwohl mein Körper nach Sauerstoff lechzt. Innehalten und das Panorama aufsaugen, bis der Kopf zu platzen droht.

Toskanische Aussichten © Sandra Grüning

Der Rückweg ist dafür um so leichter. Bergab rotieren unsere Beine wie Propeller schneller und schneller. Die Aussicht auf den Pool verleiht Flügel. Das Eintauchen in das Blau des Wassers schwemmt alle Anstrengung fort. Schweben in der Zeit, die in diesem Moment tatsächlich stehen geblieben zu sein scheint.

Auf dem Weg nach Florenz wird die Vorfreude fast übermächtig, kribbelt durch jede meiner Zellen und überflutet sie mit Glück. Schon das Reinfahren macht mein Herz weit. So viele Erinnerungen, so viele Bilder und Gefühle sprudeln aus sämtlich antiken Schubladen ins Jetzt. Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen.

Vorfreude © Sandra Grüning

San Miniato al Monte gibt den schönsten Blick auf die Stadt, die uns zu Füßen liegt. Der Arno, der Palazzo Vecchio, der Dom. Ich bin wieder da. Nie wirklich weg gewesen. Aus meinen Träumen, meinem Lebensgefühl. Der Spaziergang zum Dom ein einziges „Ciao, come stai? Sono contento che tu sia qui.“

Nach Hause kommen © Sandra Grüning

Der beste Platz, um einen Caffè in Florenz zu genießen, ist das La Terrazza ganz oben auf dem La Rinascente, dem Edelkaufhaus von Florenz. Der Blick von dort ist traumhaft. Die Domkuppel zum Greifen nah. „Könnte es noch schöner sein, als hier zu sitzen, über Florenz zu schauen und zu essen?“ Besser als mein Lieblingsschweizer kann ich es nicht auf den Punkt bringen. Seine Frau schließt genussvoll die Augen und lässt den Mozzarella di Buffalo auf der Zunge zergehen. Sie liebt ihn. Genauso wie die italienischen Tomaten. 

Über den Dächern von Florenz © Sandra Grüning

Den Beiden die Stadt zu zeigen, ist meine Mission. Vor allem das sexy Hinterteil der berühmtesten florentinischen Skulptur. Das steht perfekt in Pose.

Der David hat schon was. Ganz besonders aus diesem Blickwinkel.

Lieblingsperspektive © Keziah Borner

Es ist so heiß, dass die Boboli-Gärten nach genau der richtigen Abkühlung klingen. Doch bevor wir es uns dort unter einem Baum gemütlich machen, gilt es, den Garten erst einmal zu erklimmen. Und das bei 35 Grad im Schatten. Aus dem kommen wir so schnell nicht wieder raus, liegen faul auf dem, was einmal zu kühleren Zeiten eine Wiese war und versuchen die Transpiration auf ein Minimum zu reduzieren. 

Erst der Hunger und das Heimweh treiben uns zurück in die brütende Hitze. In Arezzo finden wir in der Buca di San Francesco einen Ort wie aus einer anderen Welt. Hier hat jemand Horror vacui. Ein Gewölbekeller, der, wo er nicht mit Fresken ausgemalt ist, überquillt mit Bildern und einem Sammelsurium aus Allerweltsnippes. Flaschen, Vasen, Figürchen und Dinge, dessen Nutzen und Gebrauch uns Rätsel aufgeben. Langweilig wird es hier nicht. Schon gar nicht beim Essen.

Schlemmen auf Toskanisch

Wir schwelgen in toskanischen Leckereien. Denn der Ober kredenzt uns ein Überraschungsmenü erster Klasse. Hier herrscht noch die alte Schule. Der Herr bekommt die Rechnung und die Damen einen liebevoll gestalteten und mit italienischen Weisheiten und Reimen gespickten Liebesbrief. Wir sind hin und weg. 

Kugelrund rollen wir zurück in unseren Palazzo, bei einer feinen Zigarre den Tag ausklingen zu lassen.

Ich werde einen Koffer voller Bilder auf meine nächste Station nach Bern mitnehmen. Und dieses wunderbare Gefühl, Herzensmenschen das meine geschenkt zu haben.

Buona notte!


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