Mein Kompass © Sandra Grüning

Eine kleine, handgemalte und mittlerweile recht abgegriffene, da häufig genutzte, Karte aus Papier ist auf der Insel mein lebensrettender Kompass. Denn moderne Highend-Geräte mögen die vielen, verschlungenen Waldwege nicht sonderlich. Laut GPS stünde ich geradewegs im Nichts. Dafür, dass hier angeblich nichts sein soll, glitzert es nach einer stillen Weile mit mir allein durch die Kiefern allerdings wunderbar blau.

Das Ziel meiner Strandsandträume trägt ein Glitzern © Sandra Grüning

Das Ziel meiner Strandsandträume trägt ein Glitzern © Sandra Grüning

Und als ich aus dem Wald heraustrete, liegt vor mir einsam und wunderschön der Strand. Zur Ostsee hin hat Sandön viele feine und idyllische Sandstrände. Von Menschen weit und breit keine Spur. Dass ich so etwas noch erleben darf. Knapp 3000 Gäste soll die Insel beherbergen. Doch ich habe eine eigene, kleine Bucht mitten im Hochsommer ganz für mich allein gefunden.

Wind und Sonne auf der Haut, das Rauschen der Ostsee im Ohr und ein paar salzige Lakritz. Strandsandkuscheln kann so schön sein!

Nur das Baden wird eine steinig rutschige Angelegenheit. Da merke ich wieder einmal, wie verwöhnt ich auf meiner kleinen Insel von den weichen Sandwellen bin. Na ja, man kann eben nicht alles habe. Ich habe ohnehin schon viel Glück in meinem Leben. Darum will ich auch gar nicht meckern.

Pures Glück am einsamen Strand © Sandra Grüning

Pures Glück am einsamen Strand © Sandra Grüning

Ich schalte meinen Kopf aus, schicke die Gedanken auf Reisen und träume. Träume mich weit weg, in die Arme einer besonderen Frau. Erst allmählich merke ich, dass sich ein Kiter zu mir gesellt hat und sich in hohen Bögen vom Wind davon tragen lässt. Fliegen…

Der Traum vom Fliegen © Sandra Grüning

Der Traum vom Fliegen © Sandra Grüning

Genauso habe ich mir meinen Urlaub vorgestellt. Weit weg von allem. Entspannte und wenige Menschen. Zum Träumen schön. Und wunderbar ruhig. Jeder, der diese Dinge in bezaubernder Landschaft liebt, dem sei Sandön ans Herz gelegt. Und wer nicht eines der hübschen Holzhäuschen für sich erwählt, dem sei das Sandhamn Seglarhotell empfohlen – schwedischer Seglerstyle trifft auf viel Herz. Allerdings ist ein Zimmer dort nur direkt buchbar.

Auf meinem Weg zurück in die Zivilisation habe ich mich trotz meiner Karte ordentlich verlaufen. Die Wege durch Sandhamn sehen aber auch alle irgendwie gleich aus. Immer wieder diese roten Holzhäuser. Ich habe das Gefühl, nie einen Weg schon einmal gegangen zu sein. An diesem Haus bin ich noch nie vorbei gekommen. Oder doch?

Doch allmählich findet sich mein innerer Kompass besser zurecht als meine schusseligen Augen. Der alte Majstång – Mittsommerstange – ist mir immer wieder eine Hilfe. Hoch ragt er über die hübschen Häuschen hinaus. Und irgendwann bin ich schließlich wieder am Hafen angekommen. Auf einer Insel führen eben alle Wege wieder zum gleichen Ort zurück.

Das barrierefreie Schwarze Brett © Sandra Grüning

Das barrierefreie Schwarze Brett © Sandra Grüning

Eines fasziniert mich bei jedem Gang daran vorbei. Am Hafen gibt es eine litfassähnliche Wand. Ich nenne es das barrierefreie Schwarze Brett. Auf dem steht von der Yogastunde, über Baumfällarbeiten oder kommunalen Mitteilungen bis zum Möbelverkauf alles, was einen Ort bewegt und in Bewegung bringt. Und wessen Augen noch schusseliger sind als meine, für den hängt selbstredend die Lesehilfe mit am Brett. Barrierefrei eben.

Ein Dreirad für alles © Sandra Grüning

Ein Dreirad für alles © Sandra Grüning

Immer noch auf der Suche nach meinem ersten Auto, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das, was andernorts vierrädrige Design-Kästen mit vielen PS übernehmen, auf Sandön drei Räder und einen Elektromotor hat und bei offenem Verdeck vom Hund, über Baumaterial bis hin zu hübschen Frauen alles transportiert, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die Taucherbar © Sandra Grüning

Die Taucherbar © Sandra Grüning

Abends ein Bier oder zwei in der Dykabaren – der Taucherbar. Sie ist nicht Schickimicki wie so viele Bars in gut betuchten Orten, sondern urgemütlich, shabby, gut besucht. Ist ja auch kein Wunder. Sie ist die einzige, wirklich öffentliche Bar auf der Insel. Doch sie hat Flair und verschiedene Craft-Biere im Angebot. Hier kommen Einheimische und Segler gleichermaßen gern her. Da kann sich manch einer – vor allem auch in meiner Heimat – eine Scheibe abschneiden.

God natt sov gott och dröm sött.

[Der Text enthält Werbung aufgrund von Namensnennung! Alle Anregungen und Vorschläge, Empfehlungen und Bewertungen sind jedoch meine eigene Meinung und mein ganz persönlicher Geschmack, der gerne geteilt, aber auch anders empfunden werden kann.]