Vogelfrei


Die Schatten des Tages werden länger, wandern langsam, wie in Zeitlupe über ihre Haut. Sie schimmert. Im Halbdunkel. Matt und seiden. Und ihr Duft erinnert mich an Sommer, an einen Regenguss auf warmem Sand, an das Meer. Sie schaut mich an, beobachtet mich wie ein Raubtier seine Beute. Die Luft knistert. Ist aufgeladen wie vor einem Gewitter.

Ich spüre die Kühle des Sandes unter meinen Händen. Abwesend streiche ich darüber, spiele mit ihm, lasse ihn durch die Finger rieseln. Schaue in den Himmel und sehe, wie die Wolken vorüberziehen. Ich folge ihnen, male mir aus, auf welche Menschen, Schicksale, Leben sie wohl hinunter schauen. Welche Geschichten sie zu sehen bekommen. Welchen Geist sie zum Träumen verführen. So wie den meinen.

Und trotz meiner Traumesreise spüre ich ihr unablässiges Mustern. Ihre Augen, die über mein Gesicht wandern, wie Entdecker, meine Gedanken zu erforschen. Und ihr Blick fängt mich wieder ein. Das Licht zwischen uns flimmert, als würde es brennen. Sie bewegt sich. Und mich. Mit jeder Sekunde. Kommt näher. Berührt mich. Ein Stromschlag peitscht meine Aufmerksamkeit auf hellwach.
Haut an Haut. Hände, die miteinander spielen. Ihr Atem haucht Wünsche in mein Ohr. Kleine Schweißperlen glitzern. Auf ihrer Stirn. Ihrer Oberlippe. Ihren Schultern. Und ich lasse mich fasziniert in diese Glitzerwelt fallen. Eine Träne rinnt über den Samt ihrer Wange. Weggeküsst. Füllt meinen Mund mit Sehnsucht.

Frag mich! Bitte mich! Und ich gebe dir, was immer du begehrst. Aber nicht gleich. Nicht sofort. Langsam.

Diesen Augenblick einzufangen. Zu spüren, wie mein Herz schlägt in ihrer Nähe. Wild. Unkontrolliert. Das Denken ausgeschaltet. Meine Seele von dunklen Gefühlen randvoll erfüllt. Den Moment zu genießen, ist das Einzige, was zählt. Kein Gleich. Kein Später. Kein: Und dann?
Vogelfrei. Zu nehmen, was wir beide begehren. Und zu geben, was leicht fällt. Nichts ist wirklich wichtig. Außer dieser Sekunde, in der Zufriedenheit in die Seele einzieht – als diese unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Sie macht alles wett. Wiegt alle Zweifel auf.

Und ihre Haut schimmert seiden im Halbdunkel des letzten Sonnenlichtes. Ihre Augen lachen. Versüßen meinen Tag.

Hände


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