Glücksmoment


Federleichte Momente © Sandra Grüning
Federleichte Momente © Sandra Grüning

Golden glitzert das Wasser auf der Ostsee. Ich sitze im warmen Sand. Direkt vorne. Am Ufersaum. Die Morgensonne hat sich gerade eine Handbreit aus dem glatten Meeresspiegel herausgeschoben, streichelt meinen schlaftrunkenen Körper, weckt mich mit sanftem Kitzeln auf der Nasenspitze. Die Wellen rauschen durch mich hindurch. Fröhlich werfen Sie mir ihre weißen Schaumkronen vor die Füße. Eine kleine Feder weht an mir vorbei. Federleicht verschmilzt sie mit dem gleißenden Licht. Ich beobachte die Möwen, wie sie auf dem Wind segeln, sich treiben lassen. Aus purer Lust, wie mir scheint. Frei müssen sie sich fühlen. So wie ich mich. In diesem Moment. Glück macht sich in mir breit. Erfüllt mich. Bis in die Haarspitzen. Glücksmoment.

Einfach so. 

Einfach so?

Kann nicht sein, mischt sich mein Kopf ein, der ewige Nörgler, vorlaute Bedenkenträger, weil auf Erfahrungen geeicht. Das Leben ist nicht einfach so, ist mehr, ist komplexer, ist komplizierter. Als das sinnfreie Sein im Augenblick. Wir müssen schaffen, müssen erschaffen, das nächste Ziel fest vor Augen, immer einen Schritt vor den eigenen Gedanken und vor allem vor dem Jetzt sein. Sonst hängt man hinterher. Wird abgehängt. Gehört irgendwann nicht mehr dazu. Zu den Wichtigen. Von was auch immer… immer im Vergleich. Schneller und besser und einfallsreicher. Leistungen und Erfolg sind das Maß. Kalkül der Kompass. Das Jetzt nur eine Notwendigkeit auf dem Weg ins Morgen.

Im Moment sein?

Nicht genug. Kindisch. Einfältig. Für Künstler, Gefühlsduselige und Träumer nur. Für jene, die nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen. 

Ja!

Vielleicht ist es naiv. Vielleicht sinnfrei. Und kindisch. Doch es lässt mich fliegen. Mit den Möwen Freiheit atmen. Lässt mich Luftschlösser bauen. Lässt neue Ideen in mir entstehen. Macht aus meinem Tag, wie ein Herzensmensch mir schrieb: Einen Voll-Wunder-Tag.

Im Moment sein!

Das bin ich. Zu gern. Und am allerliebsten am Strand. Genau hier zwischen den beiden Brücken. Der Alten und der Neuen. Hier, wo die alten Fischerboote still Nostalgie ins Panorama legen. Hier ist mein Revier, mein Heimatgefühl zuhause. Genau hier liegt mein persönliches Stückchen Strandhimmel. Morgens, wenn alles noch neu und unbefleckt, unbedeckt von schweren Gedanken ist. Wenn die Sonne nur für mich allein ihr Glitzern auf die Welt wirft. Und die Narben auf der Seele für einen Wimpernschlag wie weggezaubert sind. Hier kann und darf ich im Moment sein. 

Meinem Moment!

… in dem ich sie alle auf einmal wahrnehme, die vielen, kleinen Dinge um mich. Ohne Filter. Manchmal so geballt und intensiv, dass sich mir alles dreht. Als wollte ich alles Glitzern mit einem Atemzug einfangen.

Und trotzdem versuche ich es. Getrieben, jenen vollkommenen Moment, in dem ich völlig aufgehe, festzuhalten und zu bewahren, möchte ich ihm in Worten ein Zuhause geben. Wie ein Maler in seinen Bildern. Als könnte ich der Welten Lauf für einen Augenblick einfrieren. Das Warum am Ende aller Fragen an dem dünnen Faden der Erkenntnis, der so flüchtig einem immer wieder aus den Fingern gleitet, ans Licht ziehen. Das ist es, was mich anrührt, was mich antreibt und wozu ich die Stille in mir und um mich brauche, die Einsamkeit, die völlige Hingabe an diesen einen, einzigen Moment. Das Jetzt!

…und die Sonne glitzert leise auf meine Seele, zaubert Gold und Wärme in meinen Tag. Und die Feder, die eben noch mit dem Morgenlicht verschmolzen schien, schwebt wie aus dem Nichts in meinen Blick zurück und setzt sich sanft neben mich, den Moment zu genießen.


5 Gedanken zu “Glücksmoment

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