Neulich sagte jemand zu mir: „Wenn du etwas wirklich willst, reicht es nicht, es nur zu versuchen. Dann gibst du das Gelingen aus deiner in die Hand des Schicksals. Willst du, dass aus deinem Traum Wirklichkeit wird, dann entscheide dich ganz bewusst, mit ganzem Herzen, ganzer Seele dafür. Und dann pack es an! Du hast das Glück, ein Gefühlsmensch zu sein. Vertraue auf sie. Sie geben dir Kraft. Sind dir Wegweiser.“
Dieser jemand hat mir die Augen geöffnet.

Ja, ich habe Angst. Unvorstellbare Angst. Verletzt zu werden. Zu scheitern. Abgewiesen zu werden. Nicht geliebt zu werden. Und vor allem Angst davor, dass mir irgendwann die Kraft ausgeht, wieder und wieder aufzustehen. Denn narbenübersät ist mein Herz. Zusammengetackert erst jüngst wieder. In Ketten gelegt. Geknebelt. Mundtot gemacht. Weil es nicht passte.
Ich habe mich lange für meine Gefühle geschämt, sie klein gemacht und sie verleugnet, um andere nicht zu ängstigen, sie nicht zu überfordern. Weil sie vielleicht nicht das Gleiche empfinden könnten. Aber auch, weil ich meinen Gefühlen selbst nicht über den Weg getraut habe, Angst vor ihrer Macht hatte.

Heute weiß ich, dass das falsch war. Heute weiß ich, dass das Leben eine Kiste voller Überraschungen ist. Dass es oft anders kommt, als erwartet. Und ich weiß, dass ich mein Leben nicht für andere lebe, sondern für mich. Gefühle lassen sich nicht zähmen oder gar verbieten. Und auch die dunkelsten und leidvollsten Gefühle sind ein Teil von mir, die ich genauso leben will wie die wundervollen. Ich habe begriffen, dass die Fähigkeit, Gefühle so wahrzunehmen, wie ich es kann, eine Stärke, eine Gabe ist. Auch wenn sie mir manchmal Fluch scheint.
Ich bin angekommen in mir, bin endlich ich. Zwar noch unvollkommen – an allen Ecken und Enden. Aber ich lerne ja noch. Unentwegt. In jedem Moment.
Ich lebe jetzt. In diesem Augenblick. Nicht gestern. Nicht morgen. Und in diesem Augenblick sagt mein Bauch mir: Lieber lebe, liebe und leide ich mit ganzem Herzen, als mir eingestehen zu müssen, aus Angst oder Selbstzweifeln, mich um die wundervollen Momente puren Glücks zu bringen.

Und ich spüre, wie das Leben mir seine Lust ins Gesicht schreit. Denn zum Leben wie zur Liebe gehört alles dazu. Das Lachen und das Weinen. Die Freude und der Schmerz. Das Licht und die Dunkelheit. Das Festhalten und das Freigeben. All das anzunehmen und trotzdem Ja zu sagen, ist mein Weg.

Weg