Regenbogengefühle


 

Himmel-GabyMoel

Himmel auf © Gaby Moel

Liebe?! Was ist das eigentlich? Ich habe mir über ihren Sinn und ihre Bedeutung in den vergangenen Wochen wahrlich das Hirn zermartert. Wollte sie in eine hübsche Form pressen. Greifbar für mich und die ganze Welt machen. Und bin an ihrem Festzurren gescheitert.
Denn sie passt in kein Korsett. Wird von jedem anders empfunden. Viele Menschen habe ich nach der Liebe gefragt. Und ein jeder hatte eine neue Antwort für mich.

Für den einen bedeutet sie das ganz große Gefühl, das das Herz bis zum Hals schlagen lässt. Die Zeit zum Stillstand bringt. Schmetterlingskribbeln. Für den nächsten ist sie die beruhigende Zärtlichkeit in der Seele. Das warme Spüren im Bauch. Ist Sicherheit. Geborgenheit. Romantik. Glück. Das Sich-Fallen-Lassen-Können. Und das Aufgefangen-Werden. Hingabe. Ekstase. Zukunftsvision. Das Ziel. Für den einen ist sie Utopie. Für wieder andere nur eine große Lüge. Manch einer sehnt sich so sehr danach, dass er sie vor Sehnsucht gar nicht wahrnehmen kann. Ein anderer sucht und sucht und merkt gar nicht, dass er sie längst gefunden hat. Einige nehmen Reiß aus vor ihr. Weil sie Angst haben. Angst, ihre Freiheit zu verlieren, dass ihnen die Luft zum Atmen genommen wird, sie verletzt werden können. Andere sind an ihr verzweifelt. Zerbrochen. Haben Mauern um sich gebaut – so dick, dass die Liebe nicht mehr zu ihnen durchdringen kann.

Liebeschaos in meinem Kopf.

Wäre das Leben nicht einfacher, wenn alle Menschen die Liebe auf die gleiche Art empfänden? Dann gäbe es keine Ängste, keine Zweifel, keine Missverständnisse, kein Verletzen.
Wundervoll. Friedvoll. Und auf Dauer weichgespült. Inhaltslos. Denn wo sind dann die Ecken, an denen sich die Liebe reibt? Wo die Aufgaben, an denen sie und ich wachsen können?

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich Gefallen an der Vorstellung, dass hinter jedem „Ich liebe dich“ ein anderes Gefühl steht. Dass die Liebe knallbunt ist, vielschichtig und vielfältig. Steckt doch hinter jedem Menschen auch ein völlig andersartiges Leben. Andere Höhepunkte, andere Enttäuschungen, andere Wege und andere Irrwege. Jeder hat Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen, die so unterschiedlich sind wie die Farben eines Regenbogens.

Ich sehe die Welt aus anderen Augen, als der Mensch, dem ich sie zu Füßen legen will. Nehme die Liebe, die ich schenke, anders wahr als er. Ich habe erfahren, dass die Liebe kein statisches Konstrukt ist, das einmal gefunden, ein Leben lang seine Gestalt behält. Liebe verändert sich. Das Leben selbst wirbelt all ihre Facetten permanent durcheinander, lässt einige wachsen, gewichtet andere neu.

Es gibt Tausende Gründe, sich gegen sie zu entscheiden. Und nur einen für sie!

Doch egal, wie unterschiedlich unser Liebesempfinden ist, zeigen alle unsere Gefühle eines ganz deutlich: die Verbundenheit mit einem Menschen, dessen Herz – und sei es nur für einen einzigen Augenblick – im Einklang mit dem eigenen schlägt.
Und in diesem einen Moment liebe ich die Sicht der anderen Person genauso wie die meine. Lege mich an ihre Seele und mit ihr an. Gehe fehl und lerne von ihr. Bereichere mich und mein Leben durch des anderen Blick. Und wachse daran. Empfinde unbeschreibliches Glück. Selbst dann, wenn ich weiß, dass ich am Ende mit meiner Liebe allein zurück bleibe.

Denn ich bin meines eigenen Glückes Schmied und kein wehrloses Opfer meiner Emotionen. Auch wenn es mich manchmal unglaublich viel Kraft kostet. Und Tränen und manchmal auch Blut. All meine Gefühle auszuhalten, sie mit all ihren Höhen und Tiefen zu durchleben. Aber es ist in meiner Hand, was ich mit ihnen anfange. Ob ich mich in die Knie zwingen, mich zu ihrem Spielball machen lasse. Oder ob ich daraus Energie und Stärke schöpfe.
Das ist für mich Liebe!


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