Roma il 2 agosto 2017


Über den Wolken © Sandra Grüning

An Schlaf war nicht einmal im Traum zu denken. Zu viel Adrenalin. Viel zu viele Gedanken. Über das Wie. Und das Was. Wie es wohl sein wird? Und was alles auf mich zukommt? Bei diesem Abenteuer. 
Doch mittlerweile stecke ich mittendrin. Ein Zurück gibt es nicht mehr. 

Gerade geht die Sonne auf, legt auf alles, was sie mit ihren Strahlenfingern berührt, einen golden Schleier. Und ich sitze eingepfercht wie Mastvieh in diesem unförmigen Vogel, der sich Flugzeug nennt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie so etwas Behäbiges mit so kurzen Stummelflügeln tatsächlich in die Luft abheben kann. Na ja, die Hummel tut es schließlich auch. Obwohl sie es nicht können dürfte.

Meine Flugangst und ich. Eine Freundschaft, die durch den Magen geht. Apropos Magen. Der hängt mir mit einem Riesenloch in den Kniekehlen. Frühstücken, dafür war um vier Uhr in der Früh keine Zeit. Und kein Appetit. Doch der erste italienische Caffè erscheint noch so weit weg. 

Die Turbine direkt unter mir wird laut. Alles zittert und vibriert. Und dann legt der Vogel los. Dröhnend, kraftvoll schwingt er sich in den Himmel. Der Blick über den Wolken – grenzenlos. Ein gleißend weißes Meer aus Watte wiegt mich in weicher Auffangsicherheit. 

Ich sitze wirklich und wahrhaftig in einem Flugzeug nach Rom. Das zu glauben, fällt mir selbst hier oben in 10.000 Metern Höhe schwer. Darum muss ich mich ab und an kneifen.

Alpenglühen © Sandra Grüning
 

Aus dem Morgennebel tauchen die Alpen auf. Bis an den Horizont ziehen sich die Bergketten wie Falten eines ungebügelten Plisseerocks. Atemberaubend schön.

Und dann stehe ich seit sieben Jahren endlich wieder auf italienischer Erde. Römischer dieses Mal. Und ich bin kurz versucht, es Papst Johannes Paul II. gleich zu tun und vor Freude auf die Knie zu gehen. Doch nur kurz.

Ich bin in Italien! 1300 Kilometer weit weg von meiner Insel, meinem Stückchen Heimat. Irgendwie abgefahren. Ich will alles aufsaugen. Und genießen! La dolce vita!

Beim Hotelzimmer wird geklotzt. Kleckern kennen die Römer offenbar nicht. Mamor muss sein und glänzendes Metall überall. In meiner Dusche hätten Zwei bequem Spaß an…

Kopfkino…

Perfetto! © Sandra Grüning

In einer kleinen, spartanischen Caffè-Bar dann endlich der erste Caffè dopio. Im Stehen – so gehört sich das -, während im Fernseher an der Wand Terence Hill in einer italienischen Soap über den Bildschirm flimmert. Dieses schwarze Schlückchen in meiner Tasse ist eine Offenbarung. Ich bin im Siebten Caffè-Himmel. Jetzt weiß ich, warum ich in jüngster Zeit immer weniger Caffè getrunken habe. Die Italiener können es einfach besser!

Maxxi-mal © Sandra Grüning

Die Lebensgeister sind wach und ich bereit, die ewige Stadt für mich zu erobern. Ab in den Bus und raus zum Maxxi. Ein feiner Tipp von Freunden. Denn Rom hat nicht nur antike Ruinen und hunderte von Kirchen zu bieten. Modern, moderner, Maxxi. Ich bin beeindruckt von Yona Friedmann und Anselm Kiefer, schwebe durch die hellen Betongänge, staune über verschachtelte Architekturen.

Dicker Fang © Sandra Grüning

Der Weg zurück in die Altstadt zur Piazza del Popolo ist jedoch ein Backofen. 40 Grad. Die Luft steht. Schleichen bis zur Bewegungslosigkeit. Zum Glück gibt es diese hunderte von Kirchen, in denen ich Kopf und Körper auftanken und die Augen überquellen lassen kann.

Panoramaneid © Sandra Grüning
Rom ist eine Stadt der Superlative merke ich schnell. In Rom ist alles groß. Die Häuser, die Brücken, die Plätze, die Kirchen, die Straßen und die Ausblicke. Erst recht vom Pincio. Rom liegt mir zu Füßen. Das nenne ich mal großartig!

Romidylle © Sandra Grüning

Runter geht’s in die kleine Via Margutta. So liebe ich Italien: Kleine Gassen, morbider Charme, verwachsen zugewachsen, lebendig, voller Kunst und altem Handwerk. Denn in der Via Margutta leben die Kunsthandwerker. Das ist nicht zu überhören. Es hämmert und werkelt überall. Es riecht nach Holz und Leim und altem Leder. Kleine Galerien, Designstudios, Weinbars… Und ein unverschämt gutes vegetarisches Restaurant. Im Il Margutta werde ich spät am Abend in kulinarischen Sphären bei selbstgemachter Spaghetti con porcini e tartufi aufgehen wie ein Hefekloß.

Handwerkszeug © Sandra Grüning

Doch vorher heißt es, dahinschmelzen in der besten Gelateria, die ich je ausprobiert habe, der Gelateria del Teatro. Selbstgemacht versteht sich. Frozen Watermelon und weil es so molto gusto war gleich noch Limone mit Basilikum hinterher. Heute gibt’s gefrorenen Bauch.

Mhhhh…molto gusto! © Sandra Grüning

Und was wäre Roma, wenn nicht auch auf der Straße ein bisschen geprunkt wird. So ein kleines Pferdchen hat schon was. Da ich heute allerdings nicht mit Pferdchen unterwegs war, sondern per Pedes, flippen meine Füße justamente aus. Und mein Schrittzähler gleich mit: 30.000 Schritte. Macht 19 Kilometer. 

Buona notte!

Hü! Mein Pferdchen © Sandra Grüning

2 Gedanken zu “Roma il 2 agosto 2017

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