Wolken

Du musst doch…
So vieles habe ich gedacht zu müssen. Und doch so weniges davon wirklich gewollt.

Nicht, dass mein Leben bislang nicht erlebnisreich war. Mehr als manchmal gut war. Aber oft von außen gesteuert. Vielleicht wollte ich nie so genau in mich hinein horchen. Vielleicht hatte ich Angst vor mir selbst. Angst vor dem, was ich finden könnte. Angst, ich könnte anecken. Ich war ein Angsthase. Ich gebe es zu. Aber die Betonung liegt auf „war“. Denn ich habe es gewagt. Habe mir den Spiegel vorgehalten. Mich studiert. Meinen Bauch befragt.

Vielleicht bin ich auch jetzt noch immer unwissend und naiv wie ein Kind, mache wieder und wieder die gleichen Fehler. Und lerne auch beim hunderttausendsten Mal nicht aus ihnen. Denn fehl gehen, liegt dem Menschen nun einmal im Blut. Aber ich habe etwas entdeckt. Meinen inneren Kompass. Und der sagt mir laut und deutlich: Geh deinen Weg! Ganz egal, was andere sagen. Du musst nichts! Vor allem nicht, was andere für angemessen, für wichtig oder richtig halten.

Aber warum? Warum gehe ich das Risiko ein, am Ende allein in meinem mir eigenen Dreivierteltakt durchs Leben zu walzern? Warum will ich so unbedingt gegen den Strom schwimmen?

Weil ich die Gischt liebe – vor allem, wenn sie von vorne kommt. Weil ich Hoffnung in mir trage. Weil ich noch immer Luftschlösser in den Himmel baue. Darin mit großen, staunenden Augen spazieren gehe. Aber auch, weil ich immer mal wieder aus all den rosaroten Wolken falle. Mir beim Sturz in die Tiefe die Nase aufschlage. Weil ich das Blut schmecken kann, dass wie ein gewaltiger Fluss durch meine Adern strömt. Weil ich das Feuer spüren kann, das sich an den kleinen Dingen entzündet.

Ich will mir das nicht nehmen lassen, nur weil andere sagen: Du musst doch…
Ich will spüren und genießen und leben und lieben! Alles auf einmal.
Und wenn ich das jetzt so empfinde, dann empfinde ich das jetzt. Und wenn es unpassend ist, dann passt es eben nicht. Und wenn es weh tut. Dann soll mir der Schmerz am besten gleich das ganze Herz herausreißen.
So fühle ich das Leben und die Liebe in mir! Ganz und gar!
Denn zu lieben heißt, die Welt wahrzunehmen. Sie mit dem Herzen zu sehen. Sich auf sie einzulassen. Und das fühlt sich trotz all der Risiken und Ängste großartig an!