Gedankenkitzel


Sinnenrausch © Anastasia Mastrakouli
Sinnenrausch © Anastasia Mastrakouli

Was ist unsere Natur? Wir begehren. Und was begehren wir? Das, was wir nicht erlangen können oder ersehnen sollten!

Und plötzlich stehst du in der Tür. Atemlos. Verschlägt mir deine Gegenwart die Sprache. Dein Blick streift mich, fängt mich, verschlingt mich. Er streicht sanft über meine Wange, meine Lippen, macht mich ganz benommen und high. Sinnenrausch kitzelt meine Gedanken. Und in mir schreit alles: Nein! Stopp! Tabu! Aber deine Hand ist zupackend. Deine Haut warm. Dein Duft so verführerisch.
Warum kamst du herunter? Es war alles perfekt. So wie es war.
Jetzt stehst du vor mir. Wie vom Himmel gefallen. Lachst. Ein wenig nervös. Unsicherheit schwingt in deiner Stimme mit. Die Sätze, die unsere Münder formen – ohne Belang. Und ich schwimme in deinen Augenseen. So blau. So tief. So unergründlich. Und doch so eindeutig in ihrer Botschaft. Sie machen mich neugierig. Nein, viel schlimmer: Sie lassen mich begehren!
Ich strample, was das Zeug hält, um dir zu entkommen. Und gerate dadurch nur um so mehr in deinen Bann. Deine Hände fesseln mich, genau wie deine Augen. Aber in einem ungeheuren Kraftakt gelingt es mir. Ich reiße mich los. Schaue weg. Suche an den blitzblanken Fenstern der Veranda Halt. Und wünsche doch nur, noch einmal in deine Augen zu sehen. In ihnen den Spiegel meiner Fantasie, meiner Sehnsucht zu entdecken. Und mich einfach fallen, von ihnen in ferne Welten tragen zu lassen. In meinen Schläfen pocht das Blut, rauscht wie ein gewaltiger Fluss. Meine Gedanken malen Bilder diffus und schemenhaft in die Nachmittagsluft. Provokant und erregend bis in jede meiner Zellen. Es ist kaum auszuhalten in deiner Nähe. Jedes Haar in meinem Nacken sträubt sich vor Verlangen, dich berühren zu wollen. Aber ich entziehe mich, gehe straight meinen Weg – weg von dir.
Erst auf der Straße gestattete ich mir,  Luft zu holen, durchzuatmen.
Ich habe es geschafft, habe widerstanden. Dieses Mal…

Zurück in der Welt steigen Fragen wie Luftblasen aus dem Trüben meiner Seele auf:
Was tun, wenn ich begehre, was ich nicht begehren sollte, weil es in eines anderen Herz gefangen ist?
Was tun, wenn ich mich nicht entziehen kann, obwohl ich genau weiß, wie viel Schmerz ich damit in eines anderen Leben bringe?
Was tun, wenn ich sehenden Auges auf einen Abgrund zu renne und doch keinen meiner Schritte aufhalten kann?

Das Leben ist nicht fair! Aber sollte ich es ihm deshalb gleichtun?

Wie wenig zivilisiert, wie wenig mitmenschlich sind wir, wenn uns die Begierde in Besitz genommen hat und uns unserer Kontrolle beraubt. Dann vergessen wir jede Empathie, die wir einst empfunden, jede Freundschaft, die wir einst hoch geachtet. Nur, um diesen winzigen Funken Leben, diesen winzigen Augenblick des Rausches bis zur Gänze in uns zu spüren und auszukosten. Ganz egal, wessen Herz wir dadurch brechen.

Denn es ist in unserer Natur – zu begehren…


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