Flugzeugturbine © Sandra Grüning

Berlin, Tegel – Einmal abheben, bitte! © Sandra Grüning

Nun sitze ich hier, in der Wartehalle, mittendrin in meinem nächsten Abenteuer. Und das Kribbeln im Bauch nimmt unaufhaltsam zu.
Dabei habe ich mich mit meinem Reiseziel dieses Mal schwer getan. Es gibt so viele wunderschöne Orte auf der Welt, die ich gern einmal oder gern einmal wieder besuchen möchte. Ich war kurz davor, mir einen Globus zu schnappen und einfach irgendwo mit dem Finger drauf zu tippen.
Nur ein Kriterium musste ganz unbedingt erfüllt sein. Meer! Ich bin Küstenkind. Durch und durch. So sehr, dass das Meer bei meinen Urlaubsentscheidungen mittlerweile eine große Rolle spielt. Manchmal sogar die Hauptrolle. Meer muss also sein. Sonst fühle ich mich spätestens nach zwei Tagen unwohl.
Doch welches Meer sollte es sein? Es gibt so viele. Und so viele schöne Orte am Meer. Die Urlaubsfotos eines Bekannten brachten die Wende. Denn bei Sichtung dieser war es um mich geschehen. Mein Bauch hatte entschieden. Und auf den höre ich inzwischen nur noch.
Schweden – Stockholm – Sandhamn im Schärengarten.
Rote Holzhäuser, malerische Landschaften, glitzernde Ostseeweite, verrückte Abenteuer – welches Küstenkind kommt dagegen an? Ich hatte sofort Astrid Lindgren im Kopf.
Natürlich kann man sich fragen: Warum ausgerechnet eine sauteure Schäreninsel, da ich doch selbst auf einer Insel mitten in der Ostsee lebe?
Ich liebe Schweden! Die entspannte Art der Menschen. Ihre Schönheit. Ihr Gefühl für Balance im Leben, im Wohnen, im Sein. Und habe ich es schon erwähnt? Ich liebe Schweden!
Ja, ich lebe auf einer wunderschönen Insel, die unglaublich viele schöne Fleckchen hat. Doch befinde ich mich in der glücklichen Lage, dass ich diese Inselfleckchen durch meine Arbeit und bei meiner Arbeit immer wieder intensiv genießen kann. Und so wäre ein Urlaub vor der Haustür für mich immer auch ein bisschen Arbeit. Denn ich sähe die nächsten Inselgeschichten in meinem Auftragsbuch und könnte nicht anders…
Also heißt es Ortswechsel.
Wegzufahren und Abenteuer zu bestehen, meinen Ängsten zu begegnen, Wunderbares zu erleben, macht mich reich und weit. Wenn mir das jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, hätte ich ihn verständnislos angeguckt und ihm geantwortet: Es gibt doch Bücher.
Heute kenne ich den Unterschied.
Ich für meinen Teil brauche dass. Denn ich möchte mich weiterentwickeln, in dem, was ich bin und was ich tue. Und das kann ich nicht, wenn ich immer im eigenen Saft schmore, immer die gleiche Perspektive vor Augen habe, immer die gleichen Wege gehe.
Ich kann noch so viele Reisereportagen sehen, Bücher lesen, Erzähltem lauschen – es wäre nicht das Gleiche, als wenn ich es erführe. Denn erfahren, heißt erleben, heißt sehen mit eigenen Augen, heißt riechen, schmecken, fühlen. Ein Gefühl für etwas bekommen, in dem man es ganz unmittelbar an sich heranlässt, es hautnah erlebt! Nur dadurch wird mein Horizont weit.
Aber das ist meine Wahrheit und muss nicht von jedem geteilt werden.
Und noch eines macht das Reisen mit mir. Auch wenn ich meine Insel jeden Tag aufs Neue liebe und mich an ihrer Schönheit erfreue, wenn ich von einer Reise nach Hause komme, ist diese Liebe noch gewachsen. Dann sehe ich den Strand und den Himmel mit neuen, frischen Augen, lasse Dinge in mein Herz, die ich zuvor nicht wahrgenommen habe.

glitzernde Ostseewellen © Sandra Grüning

Ostseeweite © Sandra Grüning

Und genau darum sitze ich jetzt hier, nachdem ich meiner Inselliebe noch einmal mit einem Bad in Glitzerwellen gehuldigt habe. Sitze hier und starre durch die großen Fenster hinaus auf das Rollfeld. Drücke mir die Nase vor lauter Aufregung an der Scheibe platt, weil ich den großen Fliegern beim Starten und Landen zuschauen will.
Natürlich sitzt mir die Angst im Magen. Das Adrenalin schießt sekündlich durch meine Adern. In immer höheren Dosen.
Doch sollte dies tatsächlich mein letzter Flug sein – solche Gedanken überkommen einen einfach, wenn man wie ich eine absolut Fluggeängstige ist -, dann sterbe ich glücklich. Glücklich über mein Leben, glücklich darüber, so viele schöne Dinge erlebt und darüber geschrieben zu haben, glücklich über die Menschen in meinem Leben und ganz besonders über die Glücksgefühle der jüngsten Tage. Ein Glücksomen hat sich mir heute schon gezeigt: eine Sternschnuppe.
Und so freue ich mich wie ein Kind an Weihnachten auf das, was auf mich wartet.
Spannend wird das. Und auf alle Fälle schillernd bunt wie ein Regenbogen. Denn Küstenkind-Auszeit = Pride-Zeit. Stockholm – ich komme!